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Artikelserie

„Kulturwandel als Herausforderung für Führungskräfte und Schlüssel einer erfolgreichen Digitalen Transformation in der Energiewirtschaft“

Pascale Ullmann fasst in dieser Artikelserie die Ergebnisse aus ihrer Masterarbeit „Leadership in the Digital Age – Challenges and opportunities for Companies in the Energy Sector“ im Studiengang Wirtschaftswissenschaft der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Leibniz Universität Hannover, zusammen, die sie bei mgm consulting partners geschrieben hat.

 

 

 

Digitalisierung als Enabler

Die Digitalisierung als einer der wesentlichen Treiber der Energiewende eines der Top-Themen der Energiewirtschaft der letzten Jahren. Spätestens mit Einläuten der Energiewende im Jahr 2011 befindet sich die Energiebranche in einem (digitalen) Transformationsprozess. Stadtwerke, Netzbetreiber, Energieversorger und andere Player im Energiesektor sehen sich einem großen Veränderungsdruck ausgesetzt und stehen vor fundamentalen Umbrüchen. Die Gründe, weshalb Unternehmen in vielen Teilen der Organisation digitaler werden müssen oder möchten, liegen in den komplexen Veränderungen in Industrie und Gesellschaft  der letzten Jahre begründet – wie zuletzt auch durch die andauernde Covid-19 Pandemie. Im Zuge dieses Wandels bedeutet die digitale Transformation zugleich auch eine Chance für Energieversorger und Stadtwerke, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, mit dem Angebot digitaler Technologien auf die steigende Erwartungshaltung der Kunden zu reagieren und zugleich kosteneffizent zu wirtschaften. In vielerlei Hinsicht versuchen Energiewirtschaftsunternehmen durch digitale Technologien wie Smart Home oder dem Einsatz von KI und Blockchain, den Trends der Digitalisierung gerecht zu werden.

Auch wenn die Notwendigkeit der Digitalen Transformation in der Energiebranche erkannt wurde, scheitert es in der Praxis bei Energieversorgern oftmals an der konkreten Umsetzung. Versorgungsunternehmen tun sich hier aus unterschiedlichen Gründen schwer – diese mögen einerseits in den politischen Rahmenbedingungen begründet liegen, andererseits in bestehenden, traditionellen Organisationsstrukturen und der vorherrschenden Mitarbeiterkultur. In einer qualitativen Umfrage* unter Führungskräften im IT-Umfeld mittelständischer und großer Energieversorger, Netzbetreiber und Stadtwerke wurde untersucht, worin die Befragten die konkreten Herausforderungen der Digitale Transformation für Unternehmen der Energiewirtschaft sehen.

*Masterarbeit  „Leadership in the Digital Age – Challenges and opportunities for Companies in the Energy Sector“, Pascale Ullmann, 2020

 

Was bedeutet überhaupt die Digitale Transformation für die Energiebranche und vor welchen Herausforderungen stehen Energieversorger?

Im Prinzip steht an oberster Stelle immer die Überlegung, welche Bedrohung durch die neue Technik und die digitale Welt auf uns zukommt, so der IT-Leiter eines süddeutschen Energieversorgers.  Diese Aussage zeigt, dass die Digitalisierung in der Energiebranche nicht primär als Chance betrachtet wird, sondern als disruptiver Faktor der zwangsläufig zu unbequemen Veränderungen und Anpassungen führt.

Einige der Befragten sehen in der zunehmenden Digitalisierung vornehmlich die negativen Auswirkungen in Form von befürchtetem Stellenabbau durch Rationalisierung sowie einer Überforderung der Mitarbeiter.

Dem Gegenüber steht die Einschätzung einiger Befragten, dass Digitalisierung vor allem der Einsatz von IT-Technologie sei, mit dem Ziel die Schnelligkeit und Kosteneffizienz von Prozessen zu erhöhen.

Energiewirtschaftsunternehmen sollten die Digitalisierung nicht nur als ein nützliches Nebenprodukt des Transformationsprozesses betrachten. Um in Zeiten einer zunehmenden Dezentralisierung, Automatisierung und Prozessoptimierung unter Energieversorgern dauerhaft wettbewerbsfähig zu bleiben, kann die Digitalisierung wichtiger Hebel für Komplexitätsbeherrschung und Steuerung sein und zudem der Motor, um die Energiewende voran zu treiben.

 

Neue Geschäftsmodelle durch die Digitalisierung

Zwei Bereiche, die in Energiewirtschaftsunternehmen einer besonders schnelllebigen Marktentwicklung ausgesetzt ist, sind die Bereiche Kundenservice und E-Commerce. Angesichts der politischen und gesellschaftlichen Veränderungen entwickeln sie sich schneller als andere Bereiche und fordern eine erhöhte Aufmerksamkeit und Anpassungsgeschwindigkeit. Ein Interviewpartner betonte, dass die gegenwärtigen klassischen Ansätze und Technologien in der Energiewirtschaft nicht mehr ausreichen werden, um den geforderten Qualitätsansprüchen von Kunden und anderen Stakeholder gerecht zu werden. Eine digitale Transformation wird unausweichlich, um mit den Veränderungen Schritt zu halten. Hinzu kommt, dass durch das Verschwimmen der Branchengrenzen zunehmend neue Akteure in den Energiemarkt  drängen und so der Wettbewerbsdruck immer weiter zunimmt. Als Resultat aus diesen Entwicklungen verändern sich die traditionellen Geschäftsmodelle im Zuge des digitalen Wandels.

Viele der Befragten betonten, dass die Digitale Transformation Chancen bietet, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und den sozialen und wirtschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden. Auch wenn die Digitalisierung in der Energiewirtschaft schon über 20 jahre stattfindet, wie ein Befragter anmerkte, bedeutet dies nicht, dass die Digitale Transformation in der Energiewirtschaft bereits abgeschlossen ist. Im Gegenteil: Die Umfrageergebnisse bestätigen, dass durch die Geschäftsmodelle neue Strukturen und Rahmenbedingungen geschaffen werden.Zwar ist den Akteuren im Energiesektor in vielerlei Hinsicht bewusst, dass mit der Digitalen Transformation sowohl interne als auch externe Prozesse grundlegend verändert werden müssen, doch fehlt es vielen Energiewirtschaftsunternehmen noch an einer geeigneten Digitalisierungsstrategie.

Die damit verbundenen Herausforderungen sind je nach Unternehmensgröße allerdings sehr unterschiedlich gelagert. Während große Energieversorger häufig komplexere Technologieschwerpunkte anstreben, um neue Geschäftsmodelle zu etablieren, stehen kleine Stadtwerke bei der Digtalen Transformation vor der Herausforderungen den dafür notwendigen Ressourcenbedarf zu decken und haben damit nicht die Möglichkeiten neue digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln.

„Für uns sind die größten Herausforderungen ein ‚dezentrales Business‘ anzusprechen. Wir haben nicht einen Bereich, sondern wir haben sehr viele unterschiedliche Bereiche, die in verschiedenen Länder und, in den einzelnen Business-Einheiten  natürlich auch unterschiedliche Vorstellungen von Digitalisierung haben und einen voneinander abweichenden Entwicklungsstand haben.“, so eine Führungskraft eines großen Energieversorgers.

Neue Aktuere auf dem Markt können sich auf einzelne Prozesse, bestimmte Kundengruppen oder Marktgebiete spezialisieren und können mit einem radikalen digitalen Ansatz auch neben etablierten Energieversorgern wettbewerbsfähig werden.

 

Neue Arbeitsweisen und Cultural Change

Die durch die Digitalisierung entstehenden neuen digitalen Arbeitstools führen zu einer Veränderung der Arbeitsweise und bringen somit auch neue Anforderungen an Führungskräfte und Mitarbeiter mit sich. Durch die Verwendung digitaler Werkzeuge und den damit verbundenen Informations- und Kommunikationstechnologien entstehen für Mitarbeiter Möglichkeiten, Informationen schneller auszutauschen und über verschiedene Tools miteinander zu kommunizieren. Vor diesem Hintergrund betonte ein Befragter beispielsweise, dass aus seiner Sicht die Digitalisierung eher Mittel zum Zweck ist um die Arbeitskultur nachhaltig zu verändern. Dabei hat das Top Management eine entscheidende Rolle. Denn eine Digitale Transformation kann nur erfolgreich sein, wenn ein Cultural Change bzw. ein kultureller Wandel mit ihr einhergeht. Wandel muss durch Mitarbeiter gelebt werden und gelebt werden wollen. Dies bestätigt auch der CIO eines großen Energieversorgers:  „Aus meiner Sicht steht und fällt alles mit der Kultur. Eine Kultur ändere ich allerdings nicht von heute auf morgen und eine Kultur ändere ich auch nicht per Dekret. Eine Kultur ändere ich durch Vorleben, und zwar vom Top-Management.“

 

Digitales Mindset und Mitarbeiterqualifikation

Um digitale Lösungen umzusetzen, ist vor allem technisches Wissen in IT-Bereichen eine wichtige Vorausssetzung, wie der CIO einesEnergiedienstleisters erläutert: „Wir haben in unserer IT-Abteilung Mitarbeiter, die eine Ausbildung als Büro- oder Rechtsanwaltsfachangestellte*r gemacht haben. Aber wir haben keine Entwickler. D. h. wir haben nicht die notwendigen Kompetenzen im Haus. Um richtige Innovationen entwickeln zu können, muss man aber die Technik grundlegend verstehen.“

Neben der Mitarbeiterqualifikation ist auch ein digitales Mindset essentiell, um technische Innovationen zu entwickeln und voranzutreiben. Durch die oftmals vorherrschenden, traditionellen Strukturen in Unternehmen der Energiebranche ist das Mindset der MitarbeiterInnen teils noch nicht auf die Nutzung neuer Technologie entsprechend vorbereitet. „Diese Einstellung, dieser Wandel im Kopf hat bei sehr, sehr vielen noch nicht stattgefunden. Die Akzeptanz des digitalen Wandels ist bisher noch zu niedrig, was auch damit zusammen hängt, dass insbesondere ältere Mitarbeitende die Auseinandersetzung mit neuen Technologien in den letzten Jahren ihres aktiven Berufslebens als anstrengend und nicht mehr lohnenswert empfinden.“, so eine IT-Führungskraft eines Stadtwerks.

Die demographischen Strukturen in vielen Energiewirtschaftsunternehmen stellen eine Herausforderung dar. „Wir haben sehr viele alte Mitarbeiter, die noch die Zeit von vor 15 Jahren kennen, wo man noch unter einer Käseglocke gelebt hat und der Käse unendlich war.“, so die Aussage einer IT-Führungskraft aus einem Stadtwerk.

Nicht nur die Fähigkeit, digitale Werkzeuge richtig zu nutzen und in den Arbeitsalltag zu integrieren ist notwendig, sondern auch das Vorleben neuer Verhaltensmuster im Umgang mit eben diesen digitalen Werkzeugen.

 

Fazit

Die Ergebnisse der Masterarbeit zeigen, dass es 3 zentrale Herausforderungen einer Digitalen Transformation zu bewältigen gibt:

1. Eine konsequente Digitalstrategie

Die Digitalstrategie bildet die Grundlage aller Digitalisierungsbestrebungen eines Unternehmens und erlaubt es erst den Herausforderungen des dynamischen Marktumfeldes gerecht zu werden.

2. Ein Kulturwandel

Die Digitale Transformation erfordert einen Kulturwandel in der Energiewirtschaft, der schon in der Führungsebene beginnt. Traditionelle Akteure müssen lernen die Digitalisierung als Chance zu begreifen um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und bestehende Prozesse zu optimieren.

3. Digitale Fähigkeiten entwickeln

Mitarbeiter müssen befähigt werden, Digitalisierungsprojekte umzusetzen. Dazu gehört nicht nur der geschulte Umgang mit digitalen Tools, sondern auch die richtige Herangehensweise an Herausforderungen im komplexen Umfeld.

 

 

 

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Als Managementberatung für Digitalisierung arbeiten wir leidenschaftlich für viele namhafte Kunden in der Energiewirtschaft.

Wir sind Experten für Innovationsmanagement, Business Agilität und Prozessmanagement. Gemeinsam befähigen wir IT, Business und Organisation, die Chancen der digitalen Transformation umzusetzen.

Mehr zu unseren Leistungen finden Sie hier.

Ihr mgm-Ansprechpartner für die Energiewirtschaft:
Christian von Hammerstein, info@mgm-cp.com.

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